NACH OBEN

Das Projekt

Wie geschieht Vergebung in der heutigen Zeit? Wie definieren wir Vergebung eigentlich? Wer vergibt wem und was geschieht, wenn uns niemand vergeben kann? Welche Rolle spielt Reue, welche Schuld und welche Rolle spielen die christlichen Vergebungsriten?
Diesen und vielen weiteren Frage stellt sich das Forscherteam dieses Projektes.
Das Team, bestehend aus den wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen Mag. Theol. Hanna Blumenthal und Mag. Theol. Luisa Moosbauer, ist ökumenisch aufgestellt. Beide Forscherinnen arbeiten im Rahmen des Projektes an ihrer Dissertation.
Der Fokus von Frau Blumenthal liegt auf der ökumenischen, philosophischen und dogmatischen Bearbeitung des Komplexes Vergebung. Hierbei werden nicht nur dezidiert katholische oder evangelische Konzepte untersucht, sondern auch der Blick hin zu Weltökumene geöffnet. Dies geschieht unter besonderer Berücksichtigung von post-kolonialen, feministischen und queeren Perspektiven, sowie dem Hinterfragen von Machtstrukturen auf unterschiedlichsten Ebenen. Fragen wie „Wie können wir mit systemischer Schuld umgehen? Wer darf wem was vergeben?“ oder auch: „Auf wessen Vergebung wird besonders wert gelegt?“ stellen dabei Stützpfeiler der Arbeit dar.
Ziel dieses Projekteteils ist es für Hanna Blumenthal, dekonstruierende und konstruierende Elemente miteinander zu verbinden und dabei konstruktiv ökumenische Gemeinsamkeiten und Anknüpfungspunkte zu benennen, ohne aktuelle kritische Stimmen außenvor zu lassen.
Frau Moosbauer bringt die katholische Perspektive stärker ein. Thematisiert werden von ihr u.a. die Sakramente Taufe und Buße mit der Fragestellung, ob diese beiden Sakramente nach dem zweiten Vatikanum aus dogmatischer Sicht für die Christ*innen des 21. Jahrhunderts akzeptable Vergebungsriten sind bzw. sein könnten. Wenn das (kath.) Christentum keine funktionierenden Riten oder Mechanismen der Vergebung mehr bieten kann, bleibt der Mensch mit seiner eigenen Disposition dann alleine? Oder reicht es aus, als getaufte(r) und mündige(r) Christ(in) seine Schuld im Zwiegespräch vor Gott zu bringen? Die These zum jetzigen Zeitpunkt ist, dass wir ein weltliches Korrelativ brauchen, um mit Schuld umzugehen und so ein (psychisch) gesundes Leben führen zu können. Welche Erkenntnisse kann uns diesbezüglich die Pastoralpsychologie liefern und welche beispielsweise auch moderne Coachingansätze?
Das Ziel von Frau Moosbauer ist es am Ende des Projektes einige Handlungsvorschläge formuliert zu haben, wie in pastoraler Praxis (neue) Vergebungsformen etabliert werden können und wie diese Formen aussehen könnten.


Tagungen

Unter dieser Überschrift fand vom 04. bis 06. Oktober 2023 organisiert vom Lehrstuhl für Dogmatik und Dogmengeschichte der Katholisch-Theologischen Fakultät der Ruhr-Universität-Bochum eine internationale Tagung statt, an der Personen unterschiedliche Länder und Religionen zusammenkamen, um das Themenfeld der Imagination mit Hinblick auf variable Perspektiven und Fachrichtungen zu untersuchen.

In einer der Workshop-Phasen konnte Hanna Blumenthal ihren Arbeitsbereich des DFG-Projekts Vergebung dem Publikum vorstellen. Inhaltliche und formelle Fragen des Projekts wurden aus unterschiedlichen Blickwinkeln und Fachrichtungen beleuchtet und Diskutiert. Das produktive und konstruktive Feedback der Tagung wird sich sicherlich bereichernd auf die weitere Arbeit am Projekt auswirken.



Bei der Jahrestagung des Netzwerks Sinti Roma Kirchen am 24. und 25. November 2023 in Nürnberg unter dem Titel „Zwischen Paternalismus und Partizipation – Geschichte und Gegenwart kirchlicher Sozialarbeit mit Sinti und Roma“ wurde Hanna Blumenthal dazu eingeladen, den evangelischen Kommentar zur systematisch-theologischen Auseinandersetzung mit dem Thema Antizyganismus in den Kirchen beizutragen.
Die Tagung legte besonderen Wert auf eine kritische Auseinandersetzung mit dem beschämenden Kapitel kirchlicher Wohlfahrt im Nationalsozialismus sowie mit paternalistischen Ansätzen in der Nachkriegszeit, die bereits damals vehementen Widerstand aus der Sinti- und Roma-Bürgerrechtsbewegung hervorriefen. Dabei kamen unterschiedliche Disziplinen aus den Geschichtswissenschaften, der Sozialen Arbeit und der Theologie zusammen, um im Austausch Impulse zur historischen Aufarbeitung geschehenen Unrechts zu sammeln.
Mit besonderem Blick auf Postkoloniale Studien und Vergebungstheologien wurde der Beitrag aus der bisherigen Forschung des DFG-Projekts erarbeitet.
Die Tagung gestaltete einen besonderen Lehr- und Lernraum mit gesunder Diskussionskultur, welche sich auch in der Diskussionsrunde nach dem Kommentar zeigte. Das positive Feedback und die neuen Blickweisen werden eine Bereicherung für das DFG-Projekt darstellen.